Ja, so eine Taxischicht kann zuweilen sehr sehr langweilg sein. Zumindest, wenn sie so läuft wie die heutige. Es ist mir bewusst, dass in der Zeit nach Karneval ziemlich tote Hose ist. Nunja, damit muss man zurechtkommen, schließlich mache ich das ja nur zum kleinen Teil, weil es mir Spass macht.
Immerhin habe ich es geschafft, meinen Bonus einzufahren. Bonus bedeutet, dass ich einen Bestimmten Umsatz erreicht habe. Dieser Bonus wird zusammen mit der Monatsabrechnung am Monatsende ausbezahlt, vorrausgesetzt, ich hatte in diesem Monat keinen Unfall. Dann entfällt der Bonus. Was mir bisher ganze 3 mal passiert ist.
Ja, auch oder gerade im Taxi passieren Unfälle. Nein, nicht weil ich rase wie ein Geisteskranker, dafür brauche ich kein Taxi, da frage ich besser <sarcasm>die ganzen Tunerkids, die sich die abende auf Parkplätzen um die Ohren schlagen, nur um aus dem Fahrerfenster heraus mit ihrem Kumpel zu quatschen, was man zuhause bei ner gemütlichen Flasche Bier besser haben könnte. </sarcasm>
Wie sind denn meine Unfälle bisher einher gegangen?
Nun, der erste und folgenschwerste war an Neujahr 2006. Ich hatte alleine Tagschichtdienst und bin da doch ziemlich am rotieren gewesen. Ich hatte in den 4h bis zum Unfal mehr Geld eingenommen als so manche Nachtschicht.
Es gibt hier eine relativ schmale Straße, durch die ich zu diesem Zeitpunkt durch musste. Vor mir ein weiteres Auto. Die Straße ist so breit, dass man mit zwei Autos nebeneinander die Straße komplett blockiert. Er also vor mir her, wird langsamer und zieht nach links an den Bürgersteig ran. Ich dachte mir: “Prima, der hält an”. Es war zwar mitten im Halteverbot, aber das interessiert die wenigsten dort. Und auch die Tatsache, dass ich keinen Blinker gesehen habe, hat mich nicht davon abgehalten, ein wenig nach rechts zu ziehen und weiter zu fahren. Das fatale an dieser Geschichte war aber, dass er – ohne Vorwarnung (also ohne Blinker zu setzen) – nach rechts in seine Hofeinfahrt wollte. Dazu kam dann noch die nasse Fahrbahn. Ich bin voll auf die Bremse, hat aber nichts gebracht. So bin ich ihm in die Seite rein, was natürlich dazu führte, dass ich ihm die Beifahrertüren und einen Teil des Radhauses kaputt gefahren hatte.
Das ganze ging dann noch vor Gericht, weil er den kompletten Schaden bezahlt haben wollte, jedoch aus Kulanz nur 50% von unserer Versicherung bekommen hat. Auch hier gab es sehr “interessante” Begebenheiten. Zum einen hat er die Klage an seine Mutter abgetreten, damit er selbst als Zeuge auftreten kann. Warum? Das habe ich bis heute nicht heraus gefunden. Zum zweiten hat ein Nachbar von ihm, ein älterer Herr, für ihn aussagen wollen, der zum Zeitpunkt des Unfalls ca. 50m weiter die Straße runter war und auch “alles gesehen” hatte, dass er den Blinker gesetzt hatte, dass ich definitiv zu schnell war etc… Schlecht war nur, dass er die Straße weiter runter gehen wollte, dementprechend in die falsche Richtung geschaut hatte und sich in haltlosen Aussagen verstickt hatte. Dinge wie “die Taxifahrer rasen immer bei uns durch die Straße und der da auch” sind vor Gericht nicht wirklich aussagekräftig. Das Ende vom Lied war, dass wir beide Schuld an dem Unfall tragen und zwar in einer ca. 60-40 Gewichtung zu unseren Gunsten. Somit hieß es, dass unsere Versicherung sogar noch einen Teil von der bereits gezahlten Summe zurück erhalten hat.
Der zweite Unfall:
Ich bin morgens unterwegs gewesen, um meine zwei Schulkinder einzusammeln. Dafür muss ich durch eine Ortschaft, deren Bahnhof ziemlich abgelegen ist und von einem Teil des Ortes entweder über einen halben km Umweg erreicht werden kann, oder über 50m an der Landstraße entlang. Unbleleuchtet. Als ich dort lang fuhr, war es noch nicht hell, und ich bin wie immer normal meinen Weg gefahren. (Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich auch hier wieder mal den Funkdienst mit gemacht habe, wie bei meinem ersten Unfall auch…) Jedenfalls biege ich auf diese Landstraße ab, ich fahre weiter, das Telefon klingelt. Das an Ablenkung hat schon gereicht, denn auf einmal hat es einen Schlag gegeben, von dem ich nicht wusste woher er kam. Ich habe mich also erschrocken umgesehen und stellte im ersten Augenblick nichts fest. Ich dachte mir, dass ich über irgendeinen Brocken Stein aus der Steilwand links gefahren wäre. Und so bin ich erstmal weiter gefahren. Beim zweiten Blick merkte ich jedoch, dass der rechte Außenspiegel fehlte. “Mist. Dann hast du wohl die Warnbake mitgenommen” Seit mehr als 6 Monaten stand da diese Warnbake, die eigentlich nur eine kleine Delle in der Leitplanke verdeckte.
Ich also bei der nächstbesten Gelegenheit gedreht, um wenigstens die Trümmerstücke aufzuheben.Vielleicht ist ja noch etwas zu retten. Als ich zu der vermeindlichen Unfallstelle zurückkam, ist mir fast das Herz stehen geblieben. Dort stand ein Mann, der den linken Arm irgendwie in Schonhaltung gebracht zu haben schien und gerade mit der Polizei telefonierte. Ich habe nicht mit der Warnbake den Spiegel abgerissen, sondern mit seinem Arm! Was im Endeffekt darauf zurückzuführen war, dass er 1. auf der falschen Straßenseite ging, nämich in meiner Fahrtrichtung und nicht entgegen, 2. an seiner Kleidung: Schwarze Schuhe und Hose, sehr dunkle braune Jacke und zudem noch eine Schwarze Mütze… (Wie soll man so jemanden bitte in einem Unbeleuchteten, von Steilwand und Bäumen eingegrenzten Stück Straße sehen?) und 3. daran, dass er wohl gerade als ich an ihm vorbei bin einen Schritt auf die Straße gemacht hatte, um an besagter Warnbake vorbei zu gehen.
Das Ende ging hier jedoch glimpflicher ab, die Polizei kam, hat den Unfall aufgenommen und ist nach Belehrung wieder von dannen. Ich habe den Mann noch ins Krankenhaus gefahren, gebrochen war zum glück nichts, nur eine Prellung am Oberarm.
Verglichen mit den ersten beiden ist der dritte nicht der rede wert. Ich war an einer relativ übersichtlichen Abzweigung hinter jemandem und habe darauf gewartet, dass wir rausfahren konnten. Es kam eine Lücke, die ich als groß genug für zwei Autos ersehen hatte, merke aus dem Augenwinkel (da ich ja die Straße hoch geschaut hatte, um zu sehen wann Platz ist) dass mein Vorderman anfängt zu fahren, und ich fahre auch los. Nur, dass mein Vordermann dann doch stehen geblieben ist, weil es ihm wohl nach zuwenig Platz aussah. Ergebnis: zwei angerissene Stoßstangen und keinen Bonus diesen Monat… Selbst schuld.
Alles in allem kann ich aber sagen, dass ich in den bisherigen 363tkm nur 5 Unfälle hatte, drei wie gesagt im Taxi. Ich finde, das ist in Ordnung. Keine Unfälle wären besser, klar. So, genug geschrieben. Die Schicht ist nun vorbei! Gute Nacht!